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Denis Diderot

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22-Feb-2005/14-Jan-07


Übersicht

Denis Diderot (* 5. Oktober 1713 in Langres (Champagne); † 31. Juli 1784 in Paris) war ein französischer Schriftsteller und Philosoph.

Zu seinen Lebzeiten weniger berühmt als Voltaire, gilt Diderot heute als diesem ebenbürtig und als einer der originellsten Köpfe der europäischen Aufklärung überhaupt.

Leben und Werk

Jugendjahre und die Pariser Anfänge

Diderot wuchs auf in der Bischofstadt Langres (Champagne) als ältester Sohn eines wohlhabenden, jansenistisch-frommen Messerschmiedemeisters. Da er einmal die Kanonikus-Pfründe eines Onkels übernehmen sollte, wurde er schon mit 13 tonsuriert. Zur Schule ging er zuerst bei den Jesuiten in Langres, dann im eher jansenistischen Collège d'Harcourt in Paris.

Statt nach dem Abschluss der propädeutischen Studien (1732) Theologie zu studieren (was später sein jüngerer Bruder für ihn tun musste), führte Diderot in Paris ein ungebundenes Leben, jobbte, las, fand Anschluss an andere junge Intellektuelle (d'Alembert, Rousseau, Condillac, Melchior Grimm) und begann zu schreiben sowie aus dem Englischen zu übersetzen.

Als er 1743 den Segen seines Vaters für die Heirat mit einer besitz- und aussteuerlosen Wäsche-Verkäuferin einholen wollte, ließ dieser ihn kraft seiner väterlichen Autorität in einem Kloster einsperren. Naturgemäß bestätigte diese Erfahrung Diderots Antipathie gegen die Kirche und ihre Institutionen, speziell die Klöster – eine Antipathie, die sich später noch dadurch verstärken sollte, dass seine jüngste Schwester (die freiwillig Nonne geworden war) in ihrem Kloster geisteskrank wurde. Diderot konnte jedoch nach einigen Wochen aus der Gefangenschaft fliehen, kehrte nach Paris zurück und heiratete heimlich. Allerdings fand er seine Frau nach der baldigen Geburt einer Tochter (die sehr schnell starb) offenbar langweilig und liierte sich 1745 nebenher mit einer gebildeten „Abenteurerin“, Mme de Puisieux. Trotzdem hatte er 1746 einen Sohn (der mit 5 Jahren starb), 1750 einen weiteren Sohn (der sehr schnell starb) und 1753 wieder eine Tochter (die als Einzige ihre Eltern überleben sollte).

Die Encyclopédie und anderes

Da er schon eine Geschichte der alten Griechen, ein medizinisches Lexikon und einen philosophischen Traktat von Shaftesbury aus dem Englischen übersetzt hatte, erhielt Diderot 1746 von einem Pariser Buchhändler-Verleger den Auftrag, die kürzlich abgeschlossene Cyclopedia: or, An universal dictionary of arts and sciences zu übersetzen. Er nahm an, beschloss aber, das Werk beträchtlich zu erweitern um daraus eine Summa des gesamten Wissens seiner Zeit zu machen. Hierzu gewann er als Mitarbeiter zuerst seinen Freund d'Alembert, einen Mathematiker und Naturwissenschaftler, sowie nach und nach andere Autoren (die teils sonst wenig bekannte Spezialisten, teils aber auch berühmte Leute waren wie z.B. Montesquieu und Voltaire).

1749 allerdings musste er einige Monate pausieren, als er wegen seiner mehr nebenher verfassten und veröffentlichten religionskritischen Lettre sur les aveugles in der Festung Vincennes inhaftiert wurde, nachdem schon zwei Jahre vorher sein Gemeindepfarrer ihn als gottlosen „sehr gefährlichen Menschen“ denunziert hatte. Diderot war deshalb in Zukunft vorsichtiger und ließ, um den Fortgang der Encyclopédie nicht zu gefährden, viele andere Schriften unpubliziert.

1750 verfasste er einen in ganz Europa verschickten Prospekt, in dem er Interessenten zur Subskription der Encyclopédie aufrief. 1751 erschienen die beiden ersten Bände der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Der buchhändlerische Erfolg war enorm, doch die Jesuiten und die Sorbonne diagnostizierten eine unchristliche Tendenz des Ganzen und erwirkten beim königlichen Kronrat ein Verbot. Da aber Madame de Pompadour (die Geliebte von Ludwig XV.), einige Minister, viele einflussreiche Freimaurer und der Chefzensor Malesherbes auf der Seite der Encyclopédisten standen, konnten trotz des Verbots 1753-1756 vier weitere Bände erscheinen.

Danach jedoch wuchs der Druck der Gegner, einer unheiligen Allianz von neidischen Literaten und orthodoxen Frommen. 1758 wurde das Verbot erneuert, 1759 setzte Papst Clemens VII. das Werk auf den Index. Inzwischen hatte aber die Regierung die Deviseneinnahmen schätzen gelernt, die trotz des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) der Verkauf der Encyclopédie aus ganz Europa hereinholte, und man ermutigte Diderot unter der Hand zum Weitermachen. Er brachte die letzten zehn Bände samt 5 Bänden Abbildungen heraus (1765), zog sich dann aber – nach 20 Jahren Arbeit – zurück und überließ seinen Nachfolgern die Herausgabe der letzten Abbildungsbände (die, wie schon die ersten, viel zum Ruhm des Unternehmens beitrugen).

Sonstiges Schaffen

Neben der Encyclopédie hatte Diderot immer auch andere Werke in Arbeit. Schon 1746 hatte er im Anschluss an die Shaftesbury-Übersetzung seine Pensées philosophiquesPhilosophische Überlegungen«) publiziert, worin er erstmals materialistische und atheistische Vorstellungen vertrat. 1748 schrieb und druckte er einen libertinen Roman, Les bijoux indiscretsDie indiskreten Kleinode«), der ein Skandalerfolg wurde (und in Literaturgeschichten für Schüler und Studenten oft unerwähnt bleibt). 1749 saß er einige Monate in Haft wegen der philosophischen Schrift Lettre sur les aveuglesBrief über die Blinden«), worin er ausgehend von der These, dass ein blind Geborener keine Möglichkeit habe, die Existenz Gottes zu erdenken, diese Existenz überhaupt bezweifelt. 1751 trug er bei zu einer Grundlegung der philosophischen Ästhetik mit der Lettre sur les sourds et muetsBrief über Taube und Sprachlose«).

In den folgenden Jahren beschäftigte er sich mit Kunstgeschichte sowie den Techniken der Malerei und wurde einer der ersten professionellen Kunstkritiker mit den Artikeln, die er für die Zeitschrift Correspondance littéraire seines Freundes Melchior Grimm über Pariser Kunstausstellungen (Salons) verfasste. Als Naturwissenschaftler betätigte er sich in den Pensées sur l'interprétation de la natureÜberlegungen zur Deutung der Natur«, 1754), einem Plädoyer für das Prinzip des Experiments und gegen die oft nur pseudo-rationalen Naturerklärungen der Cartésiens, d.h. der rationalistischen Denker im Gefolge von René Descartes (1596–1650).

Daneben schrieb Diderot die Stücke Le Fils naturelDer uneheliche Sohn«, 1757) und Le Père de familleDer Familienvater«, 1758) sowie theatertheoretische Abhandlungen (De la poésie dramatique, »Über die dratische Dichtung«, 1758), womit er in Theorie und Praxis die neue Gattung des „drame bourgeois“ (bürgerliches Trauerspiel) begründete.

Zugleich arbeitete er immer wieder auch an Romanen und Erzählungen, die rückblickend erstaunlich modern wirken, meist aber erst postum erschienen. So verfasste er 1760/61 den kirchenkritischen und zugleich empfindsamen meisterlichen kleinen Roman La ReligieuseDie Nonne«), der den Leidensweg einer unfreiwilligen Nonne beschreibt und heute wohl sein meistgelesenes (und verfilmtes) Werk ist (gedruckt erst 1796). 1760-64 schrieb er den experimentellen Roman Le Neuveu de RameauRameaus Neffe«, erstmals gedruckt in Goethes deutscher Übersetzung 1805, in einer franz. Rückübersetzung 1821, im endlich wiederentdeckten Originaltext erst 1891). 1773 stellte er den schwer klassifizierbaren Roman Jacques le FatalisteJacques der Fatalist«) fertig (gedruckt erst 1796).

Hauptanliegen Diderots waren aber seine philosophischen Schriften, worin er neben den erwähnten kirchen- und religionskritischen Positionen eine sehr optimistische „natürliche Moral“ vertritt, in der Überzeugung, dass der Mensch von Natur aus gut sei und dass in einer Gesellschaft aufgeklärter und emanzipierter Individuen persönliches Glück und allgemeines Wohlergehen zusammenfallen müssten.

Diderot privat

Neben der unermüdlichen Arbeit führte Diderot ein reges gesellschaftliches Leben in Kreisen der „philosophes“, d.h. der kritisch eingestellten Pariser Intellektuellen (Condillac, Turgot, Helvétius, d'Holbach usw.), aber auch in einigen adeligen Salons. Seit 1755 stand er in einem regen „empfindsamen“ Briefwechsel mit der hochgebildeten Sophie Volland.

Ähnlich wie Voltaire war auch Diderot auf der Suche nach dem aufgeklärten Monarchen. Er fand ihn in der (aus Deutschland stammenden) russischen Zarin Katharina, die ihm 1765 pro forma seine Bibliothek abkaufte, ihn generös als Bibliothekar besoldete sowie mit Geld für Neuanschaffungen ausstattete und ihn 1773 einige Monate am Hof von Sankt-Petersburg verwöhnte (wohin nach seinem Tod 1784 denn auch die Bibliothek verfrachtet wurde).

Diderot fand zwar rege Unterstützung im Kreise der Freimaurer, dass er selbst Freimaurer war, ist nicht nachgewiesen.

Er wurde in der Eglise Saint-Roch bestattet.

Literarische Werke

  • Philosophische Gedanken (1746)
  • Spaziergang des Skeptikers (1747)
  • Die indiskreten Kleinode (1748)
  • Brief über die Blinden zum Gebrauch der Sehenden (1749)
  • Brief über die Taubstummen (1751)
  • Gedanken über die Interpretation der Natur (1753)
  • Brief an Landois (1756)
  • Der natürliche Sohn (1757)
  • Gespräche mit Dorval (1757)
  • Der Hausvater (1758)
  • Abhandlung über die dramatische Dichtkunst (1758)
  • Die Nonne (1760)
  • Rameaus Neffe (1761-1776)
  • D'Alemberts Traum (1769)
  • Jacques der Fatalist und sein Herr (1771)
  • Dies ist keine Erzählung (1772)
  • Madame de La Carlière (1772)
  • Nachtrag zu Bougainvilles Reise (1772)
  • Moralische Erzählungen (1772)

Zitate

  • Der Einzelne kann sich vervollkommnen. Aber die Menschheit als Ganzes wird weder besser noch schlechter.
  • Tatsächlich zielt eine Enzyklopädie darauf ab, die auf der Erdoberfläche verstreuten Kenntnisse zu sammeln, das allgemeine System dieser Kenntnisse den Menschen darzulegen, mit denen wir zusammenleben, und es den nach uns kommenden Menschen zu überliefern, damit die Arbeit der vergangenen Jahrhunderte nicht nutzlos für die kommenden Jahrhunderte gewesen sei, damit unsere Enkel nicht nur gebildeter, sondern gleichzeitig auch tugendhafter und glücklicher werden, und damit wir nicht sterben, ohne uns um die Menschheit verdient gemacht zu haben. (zur Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers)
  • Wenn ich ihm geglaubt hätte, wäre alles anders gekommen...alles wäre durcheinander gegangen, um schließlich unpraktische Theorien zu bringen. (Katharina die Große über Diderot -- nach Jackson J. Spielvogel)

Literatur

Hans Magnus Enzensberger: Diderot und das dunkle Ei. Ein Interview (1990) und Fünf Unterhaltungen über Jacques le fataliste (2004) - in ders.: Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten. ISBN 3518416286

Netmarks

www.frankreich-experte.de/fr/6/6214201.html.

www.pompadour.historicum.net/themen/biographien/pu_diderot.html.

Artikel in "Namen, Titel und Daten der franz. Literatur",
www.pinkernell.de/romanistikstudium.

Quelle und Lizenz

Ein Teil dieses Textes basiert auf einem Artikel aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie.

Artikel | Bearbeiten | Diskutieren | Drucken | Versionen | Backlinks.
Stand: 03:32, 13. Mär 2005.
Lizenz: GNU Free Documentation License.

Bildquellennachweise:

  • Portrait by Louis-Michel van Loo. Oil on canvas; 81 cm x 65 cm. Signed, dated: L M Van Loo 1767. Exhibited at the 1767 Salon under the title 'Portrait of M. Diderot'. Diderot Collection. Gift of M. de Vandeul to the French State in 1911 - de.wikipedia.org; Lizenz: Gemeinfrei, da über 200 Jahre alt.

Anmerkungen

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